Marketing-Relevanz: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu!

Was im zwischenmenschlichen, alltäglichen Umgang Usus zu sein scheint, ist im Marketing leider noch die seltene Ausnahme:

Ordentlicher Umgang zwischen Unternehmen und Kunden, ehrliches Interesse an nachhaltigen Beziehungen – eben ein faires Miteinander, so wie es uns unsere Eltern schon als Kinder beigebracht haben, ist selten in der Marketingwelt.

Seit Jahrzehnten zählt im Marketing nur eines: der maximale Umsatz! Der Mensch, der Konsument auf der anderen Seite des Bildschirms ist längst zum gesichtslosen Datensatz verkommen, der außer marketingrelevanten Segmentierungs-Kriterien keine weiteren Eigenschaften mehr in sich trägt.

Das Marketing ist unmenschlich geworden! Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Bevor wir tiefer einsteigen, eine kurze Geschichte aus meinem E-Mail-Alltag.

Die zweitschlimmsten E-Mails der Welt

Ich beschäftige mich sehr intensiv mit E-Mails und erhalte aus diesem Grund recht viele Newsletter. Meist scanne ich die Newsletter nur. Fällt mir nichts auf, dann wird die E-Mail gleich gelöscht und ich gehe zur nächsten über. So schaffe ich es, in kurzer Zeit viele E-Mails „abzuarbeiten“.

Newsletter und E-Mails, die mir auffallen – positiv wie negativ – schaue ich mir näher an.

Die zweitschlimmsten E-Mails der Welt sind für mich solche, die mir in stupider Regelmäßigkeit Angebote schicken, die mich nicht interessieren. Damit meine ich die E-Mails, die ich fast täglich erhalte, obwohl die beworbenen Produkte so gar nicht zu mir passen. E-Mails, deren Links ich noch nie geklickt und deren Angebote ich noch nie gekauft hatte.

In diesem Fall habe ich beispielhaft zwei E-Mails von Foto-, Fotobuch- und Poster-Anbietern herausgegriffen.
Immer neue Rabattvarianten, die Betreffs schreien vor Emoticons und Symbolen, außer meinem Namen ist keinerlei Persönlichkeit enthalten:

Marketing-Relevanz: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu! 2 zufällig ausgewählte Emails aus meinem Postfach
Marketing-Relevanz? Zwei zufällig ausgewählte E-Mails aus meinem Postfach

Diese beiden E-Mails erreichten mein E-Mail-Postfach heute Morgen.

Ich kann schlicht nicht verstehen, wie Unternehmen mit einer derartigen Penetranz, Ignoranz und Gleichgültigkeit etwas betreiben, das sie „E-Mail-Marketing“ nennen.

Natürlich habe ich dem Erhalt der E-Mails zugestimmt, aber rechtfertigt dieser Umstand dieses gefühlte Spamming?

Klar kann ich mich einfach wieder abmelden und würde zukünftig verschont werden – doch ist das nötig? Gibt es tatsächlich nur schwarz und weiß für einige Marketingtreibende – alles oder nichts, nicht angemeldet oder penetriert?

Warum schreibe ich „die zweitschlimmsten E-Mails der Welt“? Bei den schlimmsten handelt es sich für mich um klassisches Spam, also unaufgefordert zugesandte, sinnlose E-Mails.

Die hier beschriebene E-Mail-Gattung aus penetranten Werbemails und Newslettern, nimmt für mich den Platz direkt dahinter ein.

Warum Penetranz-Marketing?

Ich bin sicher, dass die meisten Marketer ihr Penetranz-Marketing mit den besten Absichten ganz ohne zweifelhaftes Ansinnen betreiben.

Sprich, diese Marketer ahnen gar nicht, wie ihre Marketing-Botschaften vom Empfänger wahrgenommen werden. Dennoch existiert penetrantes Marketing. Hier 5 mögliche Gründe:

1. Fehlendes Wissen über Kundenbedürfnisse

Die meisten Marketer versäumen es lediglich regelmäßig, entweder Kunden zu fragen oder sich selbst in die Kundenrolle zu versetzen, bevor sie Marketingbotschaften massenhaft verteilen.

2. Sinn verdrängt

Viele Unternehmen messen Erfolg an Kennzahlen, vor allem am Umsatz. Dass es in jedem Unternehmen darum geht Werte zu erschaffen und den Kunden Nutzen zu stiften, das haben bonusgetriebene Marketer und kurzfristig rechnende Controller schlicht vergessen.

3. Viel hilft viel

Die Rechnung 1% von 1.000 ist immer noch mehr als 5% von 100. Das bringt kennzahlengetriebene Marketer dazu, tendenziell immer größtmögliche Kundengruppen anzusprechen.

4. Fehlender Bezug zum Menschen

Kunden, die aus nichts anderem als aus mehr oder weniger anonymen E-Mail-Adressen bestehen, bzw. Kunden, die von einer Zeile in einer Datenbanktabelle repräsentiert werden, fehlt „das Menschliche“.

5. Verstaubtes Fachwissen

Vielen Marketern fehlt schlicht das Wissen über moderne Marketing-Methoden. „Früher“ mangelte es an Möglichkeiten, Kunden personalisiert anzusprechen.

5 Wege aus der E-Mail-Penetranz-Falle hin zur Marketing-Relevanz

Doch was tun, wenn Sie nun feststellen, dass auch Sie von Zeit zu Zeit in die E-Mail-Penetranz-Falle geraten? Mit diesen 5 Tipps schaffen Sie es, Ihr Marketing kundenzentrierter zu gestalten und Marketing-Relevanz zu schaffen..

1. Kundenbedürfnisse erfragen

Es ist wirklich einfach – ergänzen Sie jede E-Mail, die Sie versenden um eine Zeile und fragen Sie

Hat Ihnen diese E-Mail gefallen? Klicken Sie bitte „JA“ oder „NEIN“.

Die Klicks messen Sie und werten Sie aus. Auf diesem Weg erhalten Sie qualitatives Feedback ohne jeglichen Aufwand für Ihre Kunden und Sie können die Qualität Ihres Marketings kontinuierlich verbessern.

2. Sinn geben

Kennzahlen sind sinnvoll. Auch im Marketing. Die wichtigste Kennzahl ist jedoch nicht der Umsatz, sondern der Streuverlust. Gelingt es den Streuverlust zu halbieren, bedeutet das vereinfacht gesagt eine Verdopplung des Umsatzes! Zusätzlich steigt die Kundenzufriedenheit drastisch – schließlich besteht nun Relevanz für 50% des vorherigen Streuverlusts.

3. Gezielt adressieren

Denken Sie immer daran, dass hinter jeder E-Mail-Adresse eine Person wie Sie und ich steht, die täglich eine Menge unnützer E-Mails und Brief-Mailings erhält. Gestalten Sie Ihre Marketing-Maßnahmen so, dass Sie Bedürfnisse befriedigen oder Probleme lösen. Haben Sie nichts zu befriedigen und zu lösen? Dann verschieben Sie Ihre Marketing-Maßnahme und arbeiten Sie an Ihren Inhalten.

Schreiben Sie immer nur diejenigen Empfänger an, denen Sie erwünschte und relevante Informationen bieten können. Sparen Sie alle anderen Adressdaten bei diesem Mailing aus.

4. Schreiben Sie für Personen

Machen Sie sich immer bewusst, dass Sie für Menschen schreiben. Menschen mit wenig Zeit und einem vollen Posteingang (oder Briefkasten) – genau wie bei Ihnen. Überlegen Sie, wann Sie einen Brief öffnen oder eine E-Mail lesen. Texten Sie genau so, wie Sie es sich als Empfänger von Unternehmen wünschen würden.

Betreffs wie im Foto-Anbieter-Beispiel sind einfach nur anstrengend und verstopfen mein E-Mail-Postfach.

5. Informieren Sie sich

Setzen Sie sich mit dem Thema Personalisierung auseinander. Die Relevanz von personalisierten E-Mails ist in Studien vielfach nachgewiesen.

Personalisierung bedeutet dabei aber nicht nur die Verwendung des Namens in der Anrede – der komplette Inhalt einer E-Mail oder eines Brief-Mailings lässt sich kundenindividuell gestalten. Ich bin sicher, dass Ihnen bereits heute schon eine Menge Kundeninformationen vorliegen, die Sie nutzen könnten, um die Relevanz Ihres Marketings – und damit den Kundennutzen, die Kundenzufriedenheit und letztendlich Ihren Umsatz maßgeblich zu steigern!

Fazit

Personalisiertes Marketing steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Möglichkeiten zur Personalisierung gibt es zwar schon seit mehreren Jahren, das Wissen darüber ist bisher erst bei wenigen Marketern angekommen.

Wie ist es mit Ihnen? Personalisierung bedarf einiges an Wissen und Aufwand. Wie gut kennen Sie sich damit aus?
Ich biete Ihnen einen kostenlosen E-Mail-Kurs, mit dem Sie personalisiertes und automatisiertes Marketing in Ihr Unternehmen bringen können. Klicken Sie hier für alle Informationen zum Kurs.

Denken Sie immer daran, bei den Empfängern Ihrer Marketing-Botschaften handelt es sich um Menschen. Sie als Marketer sind im privaten wie im beruflichen Umfeld täglich den gleichen Marketingbotschaften ausgesetzt, wie Ihre Kunden.

Gehören Sie zu den Marketern, die sich über ihre eigenen Marketingbotschaften freuen würden!
Immer Mensch bleiben – tun Sie nichts, worüber Sie sich als Empfänger ärgern würden.

by Sebastian Eisenbürger

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2 Gedanken zu „Marketing-Relevanz: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu!“

  1. „Viel hilft viel“ heißt dann aber auch Nervt viel und dann ist man eben nicht mehr gelesen. So geht es mir, wenn bestimmte Firmen meine Mailadresse zuspamen. Da finde ich es angenehmer einmal die Woche ne Mail zu bekommen die dann noch interessant ist. Dann liest man sie auch gerne.

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